„Hansjoggi“ für die CC-Elite
Die Concours Complet-Kaderreiter haben einen neuen Equipenchef: Hansjakob Fünfschilling hat das Amt per Januar 2012 angetreten und lud die Mitglieder des Elite- und Perspektivkaders zum Jahresbeginn nach Bern, um sie über Pläne und Ziele zu informieren.
Fünfschilling selbst war erfolgreich in CC-Prüfungen bis Stufe Zweistern und durfte sich im Jahre 1968 als Europameister der Ländlichen Reiter feiern lassen. Aber er war auch im Dressursattel bis in die Kategorie S und im Parcours bis Stufe M erfolgreich. 1974 gründete er den Haras de Lully, „das bis heute erfolgreichste Schweizer Gestüt“, wie er nicht ohne Stolz feststellte. Er kennt die CC-Familie also seit Jahren bestens und ist motiviert und voller Tatendrang, „zusammen mit den Reitern das Bestmögliche mit den vorhandenen Ressourcen zu erreichen“. Aus eigener Erfahrung früherer Erfolge, auch als Besitzer des Weltcupsiegers und Olympiamedaillengewinners Gauguin de Lully, legt er grossen Wert auf die Miteinbeziehung der Pferdebesitzer. Fünfschilling zitiert aus der kürzlich erschienenen FEI-Broschüre „Bewusstsein für faires Reiten - Regelkenntnisse für einen sauberen Sport“ das Statement: „Ein wahrer Champion kümmert sich immer um „sein“ Pferd“, und ergänzt es mit „anvertraut“, denn „die meisten Elite-Pferde sind den Reitern anvertraut, ohne Besitzer geht gar nichts.“
Trainer
Nach mehreren Absagen ausländischer Trainer lanciert die Disziplinleitung CC in dieser Saison ein Projekt ohne offiziellen Verbandstrainer. Die ReiterInnen werden an im Voraus bestimmten Turnieren von den Erfahrungen des neuen Equipenchefs profitieren können. Hansjakob – oder für die Romands Jean-Jacques – Fünfschilling wird von allen Reiterkameraden „Hansjoggi“ genannt. Dies soll auch für seine neuen Schützlinge gelten. Mit diesem baseldeutschen Vornamen, so betont er schalkhaft, sei er unverwechselbar in Europas Rösselerwelt. Für gemeinsame Geländebesichtigungen sollen wo immer möglich Hansueli Schmutz, der in den vergangenen Jahren die Kader-Paare auf die wichtigsten Turnieren begleitete, oder Crossbauer und Trainer Peter Hasenböhler, der auf fast allen Turnierplätzen auf dem europäischen Festland anzutreffen ist, mit Rat zur Seite stehen oder allenfalls ausländische Profis oder Trainer angefragt werden.
Teamspirit
Die Disziplinleitung CC strebt eine Teilnahme an möglichst vielen Team-Events an. Die Schweizer Farben sollen in den Mannschaftswertungen vertreten sein und viele Schweizerkreuze auf den Ranglisten erscheinen. Der internationale CC-Kalender sieht dieses Jahr Fontainebleau, Aachen und Boekelo als Mannschaftsprüfungen vor. Die Schweizer planen zusätzlich einen Trip ins schwedische Malmö, wo heuer nebst der Europameisterschaft der Jungen Reiter eine Dreisterne-Weltcup-Prüfung ausgeschrieben wird. So soll die spezielle Atmosphäre einer Crossstrecke unmittelbar am Meeresstrand entlang schon vorgekostet werden, da im Jahr 2013 selbenorts die Elite-Europameisterschaft zur Austragung kommen wird. Zudem ist eine gemeinsame Expedition nach Strzegom in Polen geplant, wo unter anderem die Junioren-Europameisterschaft stattfindet. Und um den Schweizer CC-Teamspirit auch sichtbar zu machen, sind Bestrebungen für ein einheitliches Tenu im Gange.
Finanz-Support
Hansjakob Fünfschilling sieht Trainingslehrgänge mit Hans Staub in der Dressur bzw. Markus Fuchs im Springen und Peter Hasenböhler im Gelände vor. Die Trainingseinheiten sollen gefilmt und die Videoaufnahmen anschliessend analysiert werden. Die freiwilligen Zusammenzüge werden für die Kaderreiter mit ihren Kaderpferden finanziell unterstützt. Aber auch die Kosten der Trainings der Spitzenpferde mit den jeweiligen Heimtrainern sollen durch einen Beitrag der Disziplinleitung verringert werden. Die Disziplinleitung will den Kaderreitern somit finanziell unter die Arme greifen, möchte sie aber nicht aus den vorhandenen Trainingskonzepten werfen.
Veterinärische Betreuung
Equipen-Tierarzt Dominik Burger steht auch künftig den Kaderpaaren zur Verfügung. Durch die Fusionierung der Klinik im Nationalgestüt Avenches mit der Pferdeklinik der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern kann in Avenches vermehrt geforscht werden. Eine Win-Win-Situation ergibt sich durch die Integration der CC-Kaderpferde in ein aktuelles Forschungsprojekt. Sie werden nach einem ersten Generaluntersuch während der Saison betreut und fortlaufend überprüft. Die Forscher kommen zu den nötigen Daten, die Kaderreiter zu günstiger Betreuung.
Dreistern-SM
Erstmals wird die Schweizermeisterschaft Elite auf Dreisterne-Niveau ausgetragen. Mangels entsprechender Prüfungen in der Schweiz wird die SM CC Elite aber nicht in eine ausländische Dreisternprüfung integriert, sondern versuchsweise als Jahreswertung ausgetragen. Die besten drei finalen Strafpunkt-Resultate pro Paar werden addiert. Das Paar mit der niedrigsten Gesamtpunktzahl ist Schweizermeister. Eines der drei Resultate darf auch aus einer Zweisterneprüfung stammen, es werden aber 25% der Strafpunkte draufgeschlagen. Bei Vierstern-Resultaten ist es umgekehrt: 25% der Strafpunkte werden abgezogen. Somit steht der Elitemeister 2012 erst Ende Oktober fest. Er oder sie darf sich aber dafür zusammen mit den besten fünf der Wertung neu auch auf ein schönes Preisgeld der Disziplin freuen. Die erste Chance auf ein gutes Resultat gibt’s bereits Ende März, wenn die CC-Saison mit der ersten Mannschaftsprüfung im französischen Fontainebleau eröffnet wird. Am selben Wochenende beginnt auch in der Schweiz die – hoffentlich – grüne Saison in Frauenfeld. Und bis dahin wird noch fleissig trainiert. Die Kaderreiter waren frohen Mutes mit den neuen Ideen der Disziplinleitung und insbesondere dem neuen Elitechef und verliessen das Restaurant Specht in Bern voller Vorfreude auf die Saison.